Da hast Du aber Glück gehabt

 

Eine orientalische Parabel berichtet von einem Bauern und seinem Pferd. Eines Tages lief das Tier fort und kam nicht mehr zurück. Da hatten die Nachbarn Mitleid mit dem Bauern und sagten; „Du Ärmster! Dein Pferd ist weggelaufen; welch ein Unglück!“ Der Landmann antwortete: „Wer sagt denn, dass dies ein Unglück ist?“

Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit.
Da sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das Pferd weg, dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“ Der Bauer schüttelte den Kopf: „Wer weiß, ob das Glück bedeutet?“

Das Wildpferd wurde vom ältesten Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“ Aber der Landmann gab zur Antwort: „Wer will wissen, ob das ein Unglück ist?“

Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und zogen alle jungen Männer des Dorfes für den Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück – mit seinem gebrochenen Bein. Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“

Glück und Unglück wohnen eng beisammen, wer weiß schon immer sofort, ob ein Unglück nicht doch ein Glück ist?

 

Endlos könnte man dieses Märchen weitererzählen. Was es sagen will: Glück oder Unglück – wer weiß das schon zu unterscheiden? Oft erfahren wir erst im Nachhinein, dass ein vermeintliches Glück gar keines war, und dass ein augenscheinliches Unglück am Ende Glück bedeuten kann!

Vielleicht erinnern Sie sich an einiges in Ihrem Leben, was zunächst schlimm begann – und sich erst viel später als positiv herausstellte. Wer weiß, ob da nicht nur Glück im Spiel war …

 

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Augenfreundliche Reihe 159

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