Seines Glückes Schmied

Besucher sind immer etwas irritiert, wenn sie an meinem Regal das Hufeisen hängen sehen.
Manchmal muss ich mir auch Kommentare anhören, weil ich es mit der Öffnung nach unten aufgehängt habe. Sie meinen, es müsste umgekehrt befestigt werden, so falle doch das Glück heraus. Genau, sage ich, es soll ja in meine Hände fallen. Tatsächlich gibt es unterschiedliche Auffassungen, und oft wird es nach unten geöffnet angebracht.

Wer sich nun über diesen Aberglauben wundert, den kläre ich über den wahren Grund dieses Hufeisens auf. Mein Vater war Schmied gewesen und er war stolz auf seinen Beruf. Als Kind habe ich immer mit Bewunderung zugeschaut, wie er die Pferde beschlagen hat. Mit fachmännischem Blick hat er sich die Hufe angeschaut, sie ausgekratzt, während das Eisen in der Esse glühte. Dann musste alles ganz schnell gehen. Der Bauer hielt das Pferd, das schon etwas unruhig wurde; mein Vater nahm den Huf und mit einigen schnellen Schlägen war das Eisen aufgeschlagen. Er klopfte dem Tier auf den Hals und nickte, alles war überstanden und das Pferd machte seine ersten Schritte. Es war nun alles in Ordnung. Bis ins hohe Alter hinein beschlug mein Vater immer wieder Pferde.

Die letzten drei Hufeisen aber hat er seinen Kindern gegeben zur Erinnerung. Und wenn ich mein Hufeisen ansehe, dann denke ich an meinen Vater zurück, an die brennende Esse, an den Geruch Feuer, Eisen und Schweiß. Es war ein schwerer und mühsamer Beruf, aber mein Vater war sehr stolz. Ich habe es erst viel später verstanden, er war im wahrsten Sinne des Wortes seines Glückes Schmied. Es ist ein Glück, wenn einem alles zufällt, aber bisweilen ist es auch harte Arbeit. 

 

 


Augenfreundliche Reihe 141

www.logo-buch.de